Die Rüppurrer Wiesen in Karlsruhes Süden

Die Rüppurrer Wiesen mit dem Schutzbiotop Salmenwiesen sind Teil des Landschaftsschutzgebiets Südliche Hardt, zu dem auch das Feuchtbiotop Weiherwald gehört. Begrenzt von der Autobahn im Süden, von den Stadtteilen Dammerstock und Weiherfeld im Norden, den Wäldern des Südlichen Hardtwalds und der Forstlach im Westen sowie der Alb und der Siedlungsfläche Rüppurr im Osten liegen die Wiesen in einer ehemaligen Flussniederung, der Kinzig-Murg-Rinne. Auf den ersten Blick recht unscheinbar wirkend, erfüllen sie in ihrer Einzigartigkeit wichtige, zum Teil auch konkurrierende Funktionen für die Landwirtschaft, das Stadtklima, die Naherholung sowie den Boden-, Natur- und Hochwasserschutz.

So sind die Rüppurrer Wiesen Überflutungsraum der Alb und mit ihren über das Jahr hinweg wechselnden Grundwasserständen besonders bedeutsam. Neben Ackerland gibt es frische und feuchte Wiesen, zum Teil extensiviert und brach gefallen, mit zeitweise unter Wasser stehenden Senken. Unter den dort beheimateten Pflanzen finden sich wichtige Pionierpflanzen feuchter Rohböden wie etwa die eiförmige Sumpfbinse. 

Auch das Pyramiden-Knabenkraut, eine anspruchsvolle Orchidee mit Seltenheitswert, und der große Wiesenknopf, eine wichtige Nektar- und/oder Raupenfutterpflanze für bestimmte Schmetterlingsarten, wachsen hier. Der in breiten Blühstreifen vorhandene große Reichtum an insektenfreundlichen Pflanzen gerade in den weniger sichtbaren Randbereichen bietet nicht nur gefährdeten Schmetterlingsarten, wie Schwarzkolbigem Braun-Dickkopffalter, Kleinem und Großem Feuerfalter oder Großem Ochsenauge, sondern unter anderem auch einer Vielzahl an Wildbienen, Libellen, Käfern und Heuschrecken reichlich Nahrung.

Kreuzkröte. Foto: Cornelia Buchta
Kreuzkröte. Foto: Cornelia Buchta

 

Frei von invasiven Krebsarten bieten die Rüppurrer Wiesen darüber hinaus - im Verbund mit dem angrenzenden Weiherwald - einen kostbaren intakten Lebensraum für die in unserer Region nur noch selten anzutreffende hohe Zahl von 11 (!) heimischen Amphibienarten. Akustisch zeugen davon beispielsweise die Kreuzkröten und Laubfrösche, die in der Laichzeit von April bis Mai in milden Nächten lautstark zu hören sind.

Große Bedeutung besitzt das Gebiet auch für den Vogelschutz. So kann man je nach Jahreszeit über den Wiesen die Rüppurrer Gebäudebrüter, darunter Dohlen, Mehlschwalben und Turmfalken, bei der Nahrungssuche beobachten. Mit etwas Glück lassen sich gefährdete oder vom Aussterben bedrohte Vogelarten wie Zwergtaucher, Bergpieper, Wiesenpieper oder Rohrammer entdecken.

 

Im Sommer bieten die Rüppurrer Wiesen vielfältige Brutmöglichkeiten, zum Beispiel für den Neuntöter, der jedes Jahr im Mai aus seinem afrikanischen Überwinterungsgebiet bei uns eintrifft. 

Auch in diesem Jahr fanden wieder mehrere Brutpaare in den vereinzelt wachsenden Dornenbüschen ein Zuhause für ihre Brut. In der offenen Kulturlandschaft der Rüppurrer Wiesen findet der Neuntöter als Insektenspezialist ein ausreichendes Nahrungsangebot, das er zur Vorratshaltung gerne auf den dornigen Zweigen aufspießt.

Über die Wintermonate dient das Gebiet außerdem als wertvolles Überwinterungsquartier, etwa für von Norden zu uns ziehende Wasservögel wie Graugans oder Krickente. In Herbst und Frühjahr schließlich halten die Wiesen wertvolle Rastflächen bereit, auf denen Zugvögel Nahrung und neue Kraft für den langen Weiterflug finden können.

 

So birgt das im Vorübergehen vielleicht unscheinbar wirkende Gebiet der Rüppurrer Wiesen eine vielfältige und schützenswerte Flora und Fauna. Leider gerät jedoch auch dieses Habitat trotz Schutzstatus immer mehr unter Druck.

 

Schauen Sie gerne selbst einmal vorbei, am besten mit Fernglas. Von den Wegen aus, die rund um das Gebiet führen, bieten sich gute Beobachtungsmöglichkeiten auf das Schutzgebiet und seine Bewohner. Denn nur was man kennt, kann man auch bewahren.

 

Text und Bilder: Petra Funk