Was ist nachts bei Regen auf unseren Wegen und Straßen los?

Die verborgene Welt der Amphibien im LSG Südliche Hardt

Das Landschaftsschutzgebiet Südliche Hardt im Südwesten Karlsruhes beherbergt auf engstem Raum eine beeindruckende Artenvielfalt an heimischen Amphibien. Diese sind in den miteinander verknüpften Gebieten Weiherwald und Rüppurrer Wiesen unterwegs. Der Öffentlichkeit sind vor allem die Erdkrötenwanderungen im März bekannt, wo auch die Straße durch den Weiherwald gesperrt wird. Doch die Erdkröte ist nur eine von 11 dort lebenden und umherwandernden Arten. 

 

Was sieht  man typischerweise in einer Mai-Nacht nach heftigen abendlichen Gewittern? 

 

Da sind zum Beispiel viele dicke Teichfrosch-Weibchen unterwegs: sie kreuzen die Straßen, um zu den Biotopgewässern oder den privaten Teichen im Wohngebiet zu kommen: auf den nicht gesperrten Straßenteilen gibt es dann einige Verluste:

Auf allen gewässernahen Wegen und Straßen unseres Viertels sind in solchen Nächten größere Mengen an Laubfröschen unterwegs. Sie wandern gleichfalls zu den Weiherwaldteichen, zu den Gartenteich sowie zu den Tümpeln der Rüppurrer Wiesen. Die Sperrung der Weiherwaldstraße rettet viele, aber teilweise wandern sie auf den Fahrradwegen an den Hotspots in den Rüppurrer Salmenwiesen so dicht, dass man Slalom fahren muss. Bitte Augen offenhalten beim nächtlichen Radeln durch die Wiesen!

Während die bisher erwähnten Arten in Fortpflanzungsabsicht zu ihren Laichgewässern wandern, sind die nun folgenden frühlaichenden Arten - Springfrosch (Bild 1) und Erdkröte (Bild 2: Weibchen; Bild 3 Männchen) - einfach nur in ihrem Lebensraum unterwegs und suchen nach der anstrengenden Laichsaison nach Nahrung. Vorzugsweise tun sie das bei feuchter Witterung. Das Krötenweibchen habe ich in der Nacht, in der diese Bilder entstanden, insgesamt an drei verschiedenen Orten im Radius von 30 Metern angetroffen.

Und nun zum wahren Highlight im Weiherwald und den Rüppurrer Wiesen: die streng geschützte und vom Aussterben bedrohte Knoblauchkröte war in der besagten Nacht gleich dreimal auf der Weiherwaldstraße und dem direkt zuführenden Fahrradweg anzutreffen: es waren durchweg kleine Tiere, meist bei der Nahrungssuche. Super, dass keine überfahren wurde.

Seit 2025 gibt es auch noch einen neuen "Zuwanderer" aus Rüppurr: junge Kreuzkröten (weißer Rückenstreifen). Sie kommen von den Rüppurrer Wiesen, auf dem Radweg über den Bahnübergang bei den Aussiedlerhöfen 1,5 km bis zur Einmündung in die Weiherwaldstraße gelaufen. Im regnerischen Jahr 2024 haben sie sich so stark und erfolgreich in den Rüppurrer Salmenwiesen vermehrt, dass sich die Jungtiere (Bild 1) vom letzten Jahr jetzt auch bis in den Weiherwald hinein verbreiten. Die erwachsenen Tiere sind etwa doppelt so groß und wandern zur gleichen Zeit in die Rüppurrer Salmenwiesen ein, wo die Männchen (Bild 2) schnarrend rufen und so die eiertragenden Weibchen (Bild 3) herbeirufen:

Die Molche - in unserem LSG handelt es sich um den Berg-, den Teich- und den Kammmolch - sind etwas früher im Jahr unterwegs. Hier nur zur Ansicht zwei Teichmolche (Männchen oben, Weibchen unten), die ich in der besagten Regennacht aus einem Gulli geholt habe. Diese können, da sie meistens keine Ausstiegsmöglichkeiten haben, zur tödlichen Falle  für die Tiere werden.

 

Das LSG Südliche Hardt ist unter den Amphibien-Biotopen unserer Region, die in zunehmendem Maße von invasiven Arten heimgesucht werden, von herausragender Bedeutung aufgrund der Artenvielfalt. Darum werden die Schutzmaßnahmen wie Straßensperrungen auch außerhalb von typischen Wanderzeiten durchgeführt. 

Das Leben der Amphibien spielt sich zu großen Teilen im Verborgenen ab - wer ist schon gerne nachts bei Gewitter und Starkregen draußen unterwegs? Aber ihr wisst jetzt Bescheid, deshalb gerne diese Inforimationen auch weiterverbreiten, denn das hilft dem Artenschutz.

 

Text und Bilder: Cornelia Buchta + Paul Thomas