Karlsruhe - nach wie vor ein Hotspot für Wanderfalken

Insgesamt vier langjährig besetzte Brutplätze des Wanderfalken gibt es in Karlsruhe (Stadt), dazu weitere drei Nistkästen auf Türmen und Hochhäusern als Angebot für die herrlichen Greifvögel.

 

 

Obwohl in diesem Jahr ein traditioneller Brutplatz nicht besetzt war, konnten doch an drei Stellen insgesamt 8 Jungfalken beringt werden – jeweils 2 x 3 und 1 x 2. Hierzu war Dr. Frank Rau, der für die Aktionsgemeinschaft Wanderfalkenschutz (AGW) im NABU den Falken- und Uhubestand landesweit überwacht und auswertet, am Morgen des 30. April aus Freiburg mit seiner Ausrüstung angereist: Ringe, Zange, Messwerkzeug, Schutzhelm, Absturzsicherung sowie einige Probesets zwecks Vogelgrippemonitoring. Nach Klärung des Zugangs zu den Brutplätzen, die allesamt in abgeschlossenen und für die Öffentlichkeit nicht zugänglichen Gebäuden liegen, wurden die Jungen erfasst, äußerlich untersucht, gewogen, die Flügellänge und der Durchmesser der Ständer (Beine) gemessen und ihnen jeweils zwei auch von weiterer Entfernung aus gut sichtbare Ringe angepasst. Die Nummern der Ringe wurden notiert; sie finden Eingang in das landes- und bundesweite Monitoring. So ist es möglich, durch Ablesen der Ringe mittels Spektiv sowie anhand von Wiederfunden verunglückter oder toter Falken die Wanderungen und weitere wichtige Daten für die Wissenschaft zu erforschen.

 

Behilflich waren dabei Verena Fritzsche, Joachim Schröder sowie Bernd Gromm. Sie beobachten mit anderen Aktiven zusammen das ganze Jahr über, vor allem aber vom Begin der Balz im November/Dezember über die Zeit der Besetzung des Brutplatzes bis zum Ausfliegen der Jungen von außen die Brutplätze. Dadurch ist es möglich, den Beginn der Brut und damit die günstigste Zeit zur Beringung einigermaßen exakt zu bestimmen. Wegen der Corona-Pandemie war dies letztes Jahr nur sehr spät möglich, in diesem Jahr aber genau zum richtigen Zeitpunkt.

 

 

Obwohl sich der Bestand der Wanderfalken nach dem weltweit katastrophalen Bestandseinbruch aufgrund der Vergiftung mit dem inzwischen verbotenen DDT wieder erholt hat, gibt es immer noch viele Faktoren, die sich negativ auswirken: illegale Aushorstungen und Abschüsse, Vergiftungen, Störungen an Brutfelsen durch „wildes“ Klettern oder Fotografieren, Verlust von Brutplätzen, aber auch infolge der Brutplatzkonkurrenz durch den Uhu, der sich mittlerweile im Land wieder ausgebreitet hat, nachdem er früher bei uns extrem selten war.

 

Die AGW mit ihren ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern beobachtet und überwacht die Entwicklung und versucht, z.B. durch Anbieten weiterer Brutmöglichkeiten dem Wanderfalken eine sichere Zukunft zu verschaffen. Derzeit bewegt sich der Bestand in Baden-Württemberg auf einem mittleren Wert von ca. 200 Brutpaaren, allerdings mit starken Schwankungen von Jahr zu Jahr, da der Bruterfolg u.a. auch stark von der Witterung abhängig ist. Hoffen wir nun, dass die jetzt beringten Jungfalken sich weiter gut entwickeln und demnächst ebenfalls zur Sicherung des Bestandes beitragen!

 

 

Text: Artur Bossert

 

Neuer Kunsthorst auf dem Hauptzollamt

 Durch Vermittlung eines im Hauptzollamt in der Philipp-Reis-Straße beschäftigten NABU-Aktiven ergab sich die Möglichkeit, an der Wand des Aufzugschachtes auf dem Dach des sanierten sechsstöckigen Gebäudes einen Kunsthorst zu installieren. Die Lage erscheint ideal, da die Tiere frei anfliegen und ungestört brüten können.

 

Zudem strebt das HZA eine EMAS-Zertifizierung an, wie Amtsleiterin Ulrike Berg-Haas erklärte. Dabei verpflichten sich Unternehmen und Organisationen, betriebliche Auswirkungen auf die Umwelt zu verringern. Finanziert wurden Bau und Installation des Nistkastens vom Architekturbüro Luft aus Gaggenau, das auch für die Planung der Sanierungsarbeiten zuständig war. Der Kasten selbst wurde von NABU-Mitglied Ernst Weiß fachgerecht und aufwendig konstruiert.

 

Die „Einweihung“ des neuen Kastens fand am 29. Mai 2021 in Anwesenheit der Amtsleiterin und des NABU-Vorsitzenden und regionalen AGW-Koordinators Artur Bossert statt. Jetzt hoffen wir, dass die Nisthilfe irgendwann auch angenommen wird; und sei es auch „nur“ durch Turmfalken.