Frog-Blog:

Aktuelles zur Amphibien-Saison 2022

Willkommen zur neuen Frog-Blog Ausgabe, die Einblicke in das aktuelle Amphibienjahr 2022 bringen soll.

Schwerpunkt ist hierbei der Weiherwald in Karlsruhe Weiherfeld/Bulach.

Die Saison begann mit einem Hochwasser am 4. Januar, welches die ersten Springfrösche aus ihrer Winterruhe trieb und zu nächtlichen Aktivitäten zwang:

Die eigentliche Wanderwelle der Springfrösch, die jedes Jahr die erste Amphibienart ist, die sich in Bewegung setzt, begann dann ab dem 3. Februar. Um den 15. Februar waren schon zahlreiche Laichballen in den kleineren Tümpeln zu sehen.

Kamm-, Teichmolche waren Mitte Februar bereits in den Tümpeln aktiv, bzw. wurden auch bei der Wanderung auf der Straße gesichtet.

Am 18.2. wurde die erste Erdkröte gesichtet. Zur Hauptwanderung - die nach der momentanen Kälteperiode gegen Anfang/Miite März erwartet wird - kann man dann bis zu 9 unterschiedliche Arten auf der Weiherwaldstraße antreffen. Die Straße ist aus diesem Grund bei milden Nachttemperaturen gesperrt.

Update: 14.-17.3.22

Mit dem einsetzenden Regen in der Nacht zum 14.3. kam die Krötenwanderung in Schwung. Am 15. waren bereits 7 der 9 vorkommenden Arten unterwegs und machten sich auf zu den unterschiedlichen Laichgewässern: Erdkröten, Grasfrosch, Teichfrosch, Bergmolch, Teichmolch, Kammmolch und einige Nachzügler bei den Springfröschen.

Bei den Springfröschen kam es sogar so spät im Jahr noch zu Paarungen und einigen frischen Laichablagen.

Bei den Grasfröschen konnte man die knurrenden Männchen hören und in der Nacht vom 17.3. kam es zu Massen Paarungen und Laichablage. Die Erdkrötenpaare werden sich in den nächsten wärmeren Tagen finden und ihre Laichschnüre an der Wasservegetation ablegen.

Im Springfroschlaich vom Februar haben sich schon die kleinen Larven sichbar entwickelt (siehe oben).

 

Was ist los bei den Molchen? In flachen und deshalb bereits warmen Tümpeln kann man jetzt die Hochzeitstänze der Molche beobachten. Die Männchen versperren den Weibchen den Weg und wedeln ihnen mit dem breiten Schwanz "Liebes-Duftstoffe" zu. War die Werbung erfolgreich und die Paarung wurde vollzogen, so legen die Weibchen ihre Eier einzeln an der Wasservegetation ab. Hier ein Bergmolchweibchen:

Update 20-22.März: Erdkröten laichen ab. Die sonnenwarmen Tage nutzten verschiedene Erdkröten Populationen in Karlsruhe zur Paarung und zum Ablaichen. Ebenso die Grasfrösche, deren Laichballen sich auf diesem Bild mitten in den Erdkrötenlaichschnüren befinden:

Während dieses Laichvorgangs bildet das Weibchen ein Hohlkreuz und löst Muskelkontraktionen im Rückenbereich aus um so dem Männchen zu signalisieren, dass dieses sein Sperma auf die Laichschnur spritzen kann. Das Männchen formt dazu mit seinen Hinterfüßen einen Trichter um das Sperma direkt auf die Laichschnur zu geben:

Der gesamte Laichvorgang kann bis zu 12 Stunden dauern und umfasst 5-20 Laichschübe. Die Eier befinden sich in einem gallertartigen Schlauch. Direkt nach dem Ablaichen ist dieser noch straff und die Eier einreihig, später rutschen sie zusammen und werden mehrreihig.

Update Mitte April: nach starken und anhaltenden Regenfällen sind endlich einmal wieder Feuchtwiesen und Gräben randvoll gefüllt. Dies sind jetzt im April optimale Laichbedingungen für Kreuzkröte, Wechselkröte, Knoblauchkröte und  Laubfrosch. So gab es in der Osterwoche riesige Froschkonzerte der lautstark rufenden Kreuzkröten und Wechselkröten in den Rüppurrer Wiesen. Die zarten wok-wok-wok Rufe der Knoblauchkröte konnte man dort ebenfalls hören. (v.r.n.l.: Laubfrosch 1+2, Kreuzkröte 3+4, Knoblauchkröte 5+6, Wechselkröte 7+8)

Speziell die Laichschnüre von Wechsel- und Kreuzkröte entwickeln sich rasend schnell im flachen sonnenerwärmten Wasser. Der Laich im Bild wurde am 14.4. abgelegt. Fünf Tage später am 19.4. sehen die Larven schon so weit entwickelt aus (siehe Bild links). Das Ablaichen im flachen Wasser ist allerdings auch riskant, da die Gefahr des frühzeitigen Trockenfallens besteht bevor die Larven in Jungkröten umgewandelt sind.

 

 

Ebenfalls riskant laichen die Gelbbauchunken in absoluten Kleinstgewässern ab. Vorteil dieser Stategie ist ein Fehlen von Fressfeinden. Die Unken sind jetzt ebenfalls aktiv. Ihre sanften huu-huu-huu  Wechsel-gesänge sind im Gegensatz zu den oben beschriebenen Arten nicht nachts, sondern tagsüber bei Sonnenschein zu hören.

Update 24.5.22:  heute begann im Weiherwald die Wanderung der Jungkröten. Nach den heißen Tagen gab der Regen den entscheidenden Impuls für das Verlassen der Laichgewässer und den Start der Wanderung zu den Landlebensräumen im Wald:

Derweil finden riesige Froschkonzerte tags und nachts bei den Teichfröschen statt, die sich jetzt intensiv auf den Revierkampf und die anstehende Paarung vorbereiten.

 

 

Text/Bild: C. Buchta/P. Thomas


Aktuelles zur Amphibien-Saison 2020

Verfolgen Sie hier ein komplettes Amphibien-Jahr

Nach den beiden zum Teil extrem trockenen Jahren 2018+19 wird es nun interessant zu beobachten, wie die langfristigen Auswirkungen auf die heimische Amphibienwelt ausfallen.

Springfrosch 1.2.2020, Foto: C. Buchta
Springfrosch 1.2.2020, Foto: C. Buchta

Im Dezember schrieb ich: "Es sieht momentan nach einem milden Winter aus, so dass möglicherweise die Wandersaison der frühen Arten (Springfrösche) schon sehr zeitig ausgelöst werden könnte."

Diese These hat sich in den vergangenen Tagen bestätigt:

Am 1. Februar waren bereits Anzeichen von Wanderbewegungen der Springfrösche, Erdkröten, Berg-und Teichmolche auf der Straße im Weiherwald zu beobachten.

Es sind bisher nur vereinzelte Tiere, die die milde Witterung ausnutzen.

V.a. in den nun wieder gut gefüllten kleineren Tümpeln im Weiherwald sitzen bereits Springfrosch Männchen, die sich dort auf der Suche nach einer Partnerin günstig positionieren.

Große Aktivität im Wasser lässt sich auch bei den drei Molcharten: Kammmolch, Bergmolch, Teichmolch beobachten:

Eine Sensation war eine Laubfroschsichtung! Mal abgesehen davon, dass die Laubfrösche ohnehin sehr schwer bei wandern zu sichten sind, sind sie i.d.R. erst sehr viel später unterwegs (ab März/April).

Update 17.2.20

Durch die vielen kurzen Warmwetter-Phasen kommt es weniger zu Massenwanderungen, sondern zu individuellen Wanderaktivitäten. In allen Tümpeln des Biotops sind schon Laichballen der Springfrösche zu beobachten:

 

 

Update 2.3.20

Die Erdkröten sind auf dem Weg, ihre Partnerin vor dem Laichgewässer abzupassen. Ein erstes Pärchen wurde schon beim erreichen des Wassers beobachtet.

Update 12.3.20

Am 11.3. fand unsere 1. geführte Amphibientour bei milden Temperaturen im Weiherwald statt. 16 Teilnehmer (Erwachsene und Kinder) waren mit Gummistiefeln entlang der überfluteten Wege unterwegs und konnten um die 100 Erdkröten Männchen bei ihrer Suche nach einer Partnerin beobachten. Auch 5 Pärchen hatten sich schon gefunden. Desweiteren konnte eine Springfroschpaarung beobachtet werden und ein Grasfrosch, der mit knurrendem Ruf versuchte, eine Partnerin herbei zu locken.

Knoblauchkröte 10.3.20/Buchta
Knoblauchkröte 10.3.20/Buchta

 

In der vorangegangenen Nacht war sogar eine äußerst selten zu beobachtende Art in Weiherwald unterwegs: die Knoblauchkröte. Diese faszienierende kleine Krötenart kann sich mit Hilfe von verhornten Hinterfüßen rückwärts eingraben.

(einen vergleichenden Rückblick zu den Touren im Jahr 2019 finden Sie hier)

 

Update:

(Erwachsenen und Kinder-Tour am 12. und 14.3.2020)

Am 12.3. war bei warmem Nieselregen ordentlich Betrieb auf allen Wegen im Weiherwald: es waren neben dem Laubfrosch (schon der 2. dieses Jahr) auch einige Teichfrösche unterwegs (adult und subadult). Bei der Kindertour am kühlen sternklaren Samstag konnten wir dann v.a. die Erdkröten im Wasser beobachten. Auch Pärchen waren unterwegs.

Update 22.3.20

Erdkröten und Grasfrösche haben ihren Laich abgelegt: bei Kröten sind dies Schnüre, bei den Fröschen Laichballen. Der bereits im Februar abgelegt Springfroschlaich entwickelte sich in den vergangenen warmen Tage enorm. Man sieht bereits kleine Larven ausschlüpfen.

Update 30.3.20

Springfrosch Larven sind schon ordentlich gewachsen und halten sich in warmen Flachwasser auf. Die Grasfrosch- und Erdkrötenlarven des Mitte März abgelegten Laichs sind gerade am schlüpfen.

Update 4.4.2020 "Tanz der Molche"

Im wärmer werdenden Flachwasser von Tümpeln kann man jetzt Berg- und Teichmolche bei ihren "Hochzeitstänzen" beobachten: bei den Teichmolchen verfolgen mehrere Männchen das Weibchen, möchte ein Molch seine Partnerin zur Paarung bewegen, fächelt er ihr mit dem gezackten Schweif "Liebesdüfte" zu.

Auch bei den Kammmolchen geht es jetzt nachts zur Sache: das Männchen versperrt dem Weibchen den Weg mit seiner Breitseite und versuche es zur Paarung zu stimmulieren.

Update 10.4.20: Kreuzkröten Konzert und Paarungen

Auf den Rüppurrer Wiesen war am Karfreitag bei milden Wetter ein enormes Kreuzkröten-Konzert zu hören. Nach 2 trockenen Jahren ohne Laichmöglichkeiten, sind die Wiesen und Kanäle wieder einmal voller Wasser und die Tiere ergreifen ihre Chance:

Update 23. Mai 2020: Nach einigen feuchten Phasen sind jetzt schon seit einigen Wochen intensive Ruf-Konzerte der Laubfrösche zu hören. Sie sind besonders intensiv nach Sonnenuntergang. Bei den Teichfröschen kann man auch tagsüber immer wieder lautstarke Ausbrüche von Paarungs-und Revierkämpfen beobachten und belauschen. Oftmals werden diese von lauten Geräuschen, wie z.B. einem vorbeifahrender Zug etc. ausgelöst.

 

Die Larven der früh ablaichenden Arten Springfrosch, Grasfrosch, Erdkröte (s.oben Febr/März) haben sich jetzt schon weit entwickelt und werden demnächst die Gewässer verlassen. Im Bild ist eine Springfroschlarve zu sehen.

Update 15.7.2020: Leider gab es dieses Jahr keinen "Froschregen" im Weiherwald, das bedeutet es machte sich keine Masse an Jungtieren gemeinsam auf den Rückweg vom Laichgewässer zu den Landlebensräumen. In anderen Habitaten kam es aber durchaus zu solchen Wanderungen. Jungtiere konnte und kann man trotzdem in den Weiherwald Tümpeln  (Springfrosch, Kammmolch) oder auch in anderen Amphibienhabitaten, wie den Bergbächen bei z.B. Grünwettersbach (Feuersalamander) finden:

Ende Juli sind auch die Laubfroschlarven zum Teil schon sehr weit entwickelt. Im knapper werdenden Wasser findet ein Kampf ums Überleben mit den räuberischen Larven der Schwimmkäfer (Gelbrand und Gaukler) statt:

Über den heißen trockenen Sommer hinweg gibt es nicht mehr so viel zu berichten.

 

Gut dran sind diejenigen Amphibien, die in einem wassersicheren Tümpel sitzen. Die anderen müssen sich irgendwo hin verkriechen, wo es schattig und feucht ist - wie diese Erdkröten in einem wassergefüllten hohlen Baumstamm:

Mit Beginn des Herbstes kann man wieder die Laubfrösche aus den Bäumen rufen hören - sogenannte Herbstrufe. Mit einsetzendem Regen kann es im Herbst auch zu kleinen Vor-Wanderungen der Erkröten kommen. Ab und zu trifft man auf gut getarnte Amphibien im Herbstlaub, bevor sie sich endgültig zur Winterruhe zurückziehen.

Bei der Knoblaukröte beginnt die Winterruhe im Spätherbst, wenn die Bodentemperaturen unter 3-4°C sinken. Sie verschwindet dann in selbst gegrabenen bis über 1 m tiefen Höhlen, wo sie überwintert. Mit den scharfkantigen, verhornten Auswüchsen an ihren Fußsohlen kann sie sich sehr schnell im lockeren Boden eingraben. Niedermoore werden gemieden. In Rüppurr überwintern die dort ansässigen Knoblauchkröten hauptsächlich in den Schrebergärten und wandern dann zum Laichen wieder in die sumpfigen Niedermoor Wiesen:

Der Frog Blog macht jetzt Winterschlaf. Tschüss bis zur nächsten Saison!

 

Text und Bilder: Cornelia Buchta