Wanderfalkenberingung in St. Bernhard

Karlsruher Naturkompass lud zum Event ein

Foto: F. Scholler
Foto: F. Scholler
Zum wiecderholten Mal lud der Karlsruher Naturkompass zu einem ganz speziellen Event ein: zur Beringung der Wanderfalken im Turm von St. Bernhard am Durlacher Tor.

Engagierte Vogelschpüzter, darunter Arutr Bossert von der NABU-Gruppe Karlsruhe, Friedemann Scholler von der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz (AGW) und die Biologin Julia Schwander stiegen am Donnerstag, 11. Mai,  auf zum Wanderfalkenhorst im Kirchturm von St. Bernhard. Ihr Ziel war der Nachwuchs in der künstlichen Nisthilfe: Die Falkenküken wurden beringt, gemessen und gewogen und mit einem Spray gegen Federmilben behandelt, bevor sie flügge werden.

 

Auf der Ludwig-Wilhelm-Straße direkt unterhalb des Kirchtumrs standen die Vogel-Fans., die dem Ruf des Natrukompass gefolgt sind.  Denn in dem Moment, als sich die Beringer dem Turm näherten, schlugen die Elterntiere Alarm

 

 

So lange die Beringer am Horst sind, beobachten das Weibchen und sein

Partner, der etwas kleinere Terzel, das Geschehen aus sicherer Entfernung und kreisen um das höchste Gebäude der Stadt am Himmel.

 

Gleichzeitig steht der Falkenschützer Peter Havelka interessierten Beobachtern am Fuß des 93 Meter hoch aufragenden Kirchturms Rede und Antwort.

Als die Vogelschützer den Kirchturm hinaufsteigen, schlägt das Wanderfalken-Pärchen Alarm. „Das gibt jetzt ein Riesenspektakel. Die Alten schreien wie wild, wenn sie nur hören, dass sich unten etwas tut“, erklärt Artur Bossert, der Vorsitzende der Nabu-Ortsgruppe Karlsruhe. Seine Mitstreiter, Friedemann Scholler von der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz (AGW) und die Biologin Julia Schwander, werden die Küken der Wanderfalken mit Fußringen kennzeichnen. Außerdem vermessen sie Flügellänge und Gewicht und behandeln sie mit Spray gegen Federmilben.
Viele legen mit Ferngläsern den Kopf in den Nacken. „Sehen Sie die graue Stange zwischen den oberen Wasserspeiern? Die graue Kiste dahinter ist der Nistplatz.“ Darin liegt Kies in einer Körnung, der dem natürlichen Lebensraum an Felswänden nahekommt. Die AGW kümmert sich in Zusammenarbeit mit Naturkundemuseum und Stadt um die Wanderfalken in Karlsruhe – immerhin etwa eine Handvoll Brutpaare.
Vor 50 Jahren war Falco peregrinus fast ausgestorben. Damals vergiftete das Insektizid DDT die Tiere oder ließ die Schalen ihrer Eier so dünn werden, dass sie beim Bebrüten zerbrachen. Nur noch 25 Paare wurden im gesamten Ländle gezählt. „Heute leben wieder gut 200 Brutpaare in Baden-Württemberg. Das ist für den Naturschutz eine echte Erfolgsstory“, betont am Fuß der Kirche Peter Havelka vom Naturkundemuseum. Vor 40 Jahren sei der pfeilschnelle Jäger am Himmel über der Fächerstadt kaum zu sehen gewesen.
An diesem Donnerstagabend erschweren Regenschauer die Sicht auf das silbergraue Gefieder und die gebänderte Brustzeichnung der Vögel, aber die beiden aufgeregt um den Turm kreisenden Altvögel sind kaum zu überhören. „Das Weibchen ist größer und hat daher auch weniger Angst. Es flattert nahe bei der Brut“, erklärt Havelka. „Das kleinere Männchen fliegt etwas weiter um die Turmspitze herum und macht einen Riesenlärm.“
Der panische Protest der Vogeleltern dauert etwa eine Viertelstunde, dann sind die vier Nestlinge im Horst gekennzeichnet. So können die Artenschützer ihren weiteren Lebensweg verfolgen.

Die Aktion gehört zur neuen Strategie amtlicher und ehrenamtlicher Naturschützer. Seit Mitte April ermöglichen sie durch den Karlsruher Naturkompass im Internet Städtern

unabhängig von eventuellen Vorkenntnissen spannende Einblicke in die heimische Vogel-, Wildtier- und Pflanzenwelt. In den aktuellen Tipps und im Liveticker in Hauptrollen zu sehen

sind derzeit neben dem großen und für seinen rasanten Flug bekannten Wanderfalken auch dessen kleinere Verwandten, die Turmfalken. Außerdem empfehlen die Kenner

Vogelfreunden derzeit noch Ausflüge zu nistenden Dohlen, Mehlschwalben, Saatkrähen und Graureihern sowie dem Kolkrabenpaar, das so weit oben am Sendemast in Wettersbach

nistet, dass ebenfalls ein Fernglas zur Betrachtung nötig ist.

Weitere Infos stehen auch unter www.karlsruher-naturkompass.de