Baden im Grötzinger Baggersee dezimiert massiv den Brutvogelbestand

NABU Karlsruhe fordert konsequente Ahndung von Verstößen

Nur unter großen Bedenken hatten die Naturschutzverbände der Rechtsverordnung zugestimmt, mit der in diesem Jahr  ein geordneter Betrieb für verschiedene Nutzungsansprüche wie Baden und Tauchen zugelassen wurde. Was den Artenschutz an dem sensiblen Gewässer betrifft, das unter Landschafts- und Naturschutz steht, sehen die Naturschützer nun ihre Befürch­tungen bestätigt.

Gegenüber den Vorjahren ist der Bruterfolg für einige typische am See heimische Vogelarten nämlich eingebrochen oder völlig ausgeblieben. So mussten der zuständige Naturschutzwart Wolfgang Seeger und weitere Beobachter feststellen, dass bei Haubentauchern, Blessrallen und Schwänen, die bisher regelmäßig gebrütet haben, in diesem Jahr keine einzige Brut mehr statt­fand. Auch mehrere Brutversuche der seltenen und bedrohten Flussregenpfeifer wurden vereitelt.

Grund hierfür ist nach Ansicht des NABU Karlsruhe das rücksichtslose Verhalten vieler Badegäste und Schwimmer, die sich nicht an die Begrenzungen durch die Bojen und Hinweisschilder halten, die empfindlichen Uferzonen betreten, dort lagern und sogar mit Paddelbooten im Naturschutzgebiet herumfahren. Immer noch werden auch Umzäunungen niedergerissen und Uferzonen im Naturschutzgebiet betreten, um dort zu baden und zu lagern. Auch dort frei herumlaufende Hunde werden beobachtet. Zudem war wegen des guten Wetters in diesem Sommer der Andrang von Besuchern auch von weit außerhalb Karlsruhes besonders groß, was die Problematik verschärft hat.

Um diese für den Artenschutz und damit die ökologische Wertigkeit des Naturjuwels „Grötzinger Baggersee“ katastrophale Entwicklung zu stoppen, fordert  Vorsitzende Artur Bossert, für die Zukunft eine wirksame Überwachung der Tabuzonen sowie die konsequente Ahndung von Verstößen. Er weist darauf hin, dass bisher das Baden verboten war und die Badeerlaubnis ein Entgegenkommen des Naturschutzes darstellt, das auf keinen Fall zu einer Verschlechterung der Situation führen darf.

Gleichzeitig plant der NABU Karlsruhe zusammen mit dem Sportfischerverein Grötzingen Arten­schutzmaßnahmen, um neue Brutmöglichkeiten  zu schaffen, z.B. für Eisvogel und Fluss­regen­pfeifer. Diese sollen im Herbst angegangen werden, damit der Baggersee auch in Zukunft trotz der nun offiziell erlaubten Nutzung durch die Badegäste auch der heimischen Vogelwelt einen Lebensraum bietet.