"Kirchenasyl" für verwaistes Turmfalkenküken

 

Glück im Unglück hatte ein Turmfalkenküken, das zusammen mit einem seiner Geschwister in Karlsruhe von einer Krähe aus dem Horst geraubt und weggetragen wurde. Während ein Küken den Beutezug nicht überlebte, fiel das andere aus den Fängen des Räubers auf den Boden und wurde dort verletzt geborgen. Ein Karlsruher Falkner, der mit der AGW (Aktionsgemeinschaft Wanderfalkenschutz) zusammen arbeitet, leistete Erstversorgung und päppelte das Junge erstmal so weit auf, dass es dem NABU-Vorsitzenden Artur Bossert übergeben werden konnte, der in den Bergdörfern mehrere Brutplätze der Schleiereule und des Turmfalken betreut.

 

Nach Absprache mit Roland Link wurde entschieden, das Küken in der evangelischen Kirche in Grünwettersbach unterzubringen, wo im Dachstuhl in einem Nistkasten ein Turmfalkenpaar zur Zeit 6 Junge großzieht. Diese sind zwar etwas älter, doch sie akzeptierten das Findelkind sofort und nahmen es in ihre Mitte. Auch die Elterntiere haben nichts gegen den unerwarteten Familienzuwachs, so dass sie jetzt fleißig auf Mäusejagd gehen um alle jungen Falken satt zu bekommen. Die Naturschützer hoffen nun dass das Waisenkind schnell wächst und auch - nachdem wie zu erwarten ist die älteren Stiefgeschwister etwas früher ausfliegen werden - so lange weiter gefüttert wird bis es ebenfalls den Sprung in den freien Luftraum antreten kann.

Natürlich wird das Experiment, das in ähnlicher Form schon im letzten Jahr in der Stephanskirche in Karlsruhe mit Erfolg praktiziert wurde, von den Falkenbetreuern genau überwacht. Der Vorteil der Methode gegenüber einer Aufzucht in einer Voliere ist, dass der junge Falke nicht auf Menschen geprägt ist und somit nicht erst aufwendig ausgewildert werden muss. Er wird also von den Stiefeltern lernen wie er seine Beute fangen und somit überleben kann.

 

Die derzeit regenarme Wetterlage mit einem entsprechend guten Nahrungsangebot an Beutetieren hat in unserem Ort bei den Turmfalken zu einem guten Bruterfolg beigetragen. Neben den 6 Jungen in der evangelischen Kirche (eine ungewöhnlich große Brut) wurde auch der neu installierte Nistkasten in der katholischen Kirche sofort angenommen. Hier wurden zwei Junge erbrütet, die fast flügge sind. Auf dem Pfeilerhof sind in diesem Jahr ebenfalls Turmfalken in den Schleiereulenkasten in der Scheune eingezogen; von den 4 Jungen sind bis auf eines schon alle ausgeflogen. Ebenfalls auf dem Pfeilerhof in etwa 50 m Entfernung von diesem Brutplatz haben Roland Link und Artur Bossert im letzten Jahr einen weiteren Turmfalkenkasten installiert, nachdem dort im Schuppen auf einem Heuballen ein Gelege mit 5 Jungen ausgebrütet worden war. Dieser Kasten wurde ebenfalls angenommen und 6 Eier gelegt, von denen 5 ausgebrütet wurden. Die Jungen sind noch klein, wachsen aber schnell und werden voraussichtlich Ende Juli ihre ersten Ausflüge unternehmen.

 

Weitere Vorkommen des Turmfalken gibt es in der Umgebung von Wettersbach. Die abwechslungsreiche Landschaft mit ihren Streuobstwiesen, Heckenzügen und Feldgehölzen ist das ideale Brut- und Nahrungsrevier für diesen kleinen Falken, der zu den eifrigsten Mäusevertilgern gehört. Auf einem Spaziergang durch die Feldflur ist der Turmfalke jetzt oft bei seinen eleganten Flügen oder beim "Rütteln" in der Luft zu beobachten, um sich dann blitzschnell auf seine Beute zu stürzen und sie davon zu tragen.